Flussuferläufer
Actitis hypoleucos
Familie:
Schnepfenvögel
regelmäßiger Brutvogel
Merkmale
Etwas über lerchengroß, Länge 20 cm. Die Bauchseite ist weiß, der Rücken wirkt von ferne einfarbig braungrau. Aus der Nähe erweist er sich als verschieden gezeichnet, je nach Jahreszeit. Im Sommerkleid zeigt er ein dunkles Pfeilspitzenmuster, im Winterkleid eine feine, blassbräunliche Querstrichelung. Im Jugendkleid erscheinen Hals- und Brustseiten leicht dunkel quergewellt. Beim Gehen und Stehen wiegt der Flussuferläufer sehr häufig den Körper ( das Nickemänneken der Belgier ), nur der Kopf wird dabei stillgehalten. Der Vogel fliegt meist unvermutet bei einem Fluchtabstand von 10 Metern am Ufer auf, streicht ganz niedrig, so dass man meint, die Flügelspitzen müssten das Wasser berühren, am Ufer entlang und landet nach kurzem Flug. Beim Auffliegen ruft er meistens fein "hididi". Beim Kurzstreckenflug wechseln zuckende Flügelschläge mit segelnden Abschnitten, auf dem Zug ist der Flug gleichmäß0ig schnell und ausdauernd. Flussuferläufer können schwimmen und tauchen; sie tun das auch spielerisch beim Baden. Vom Sperber gejagt, stürzen sie sich aus der Luft ins Wasser und tauchen mehrere Meter weit, bis 1 Meter tief und bis 20 Sekunden lang. Unter Wasser rudern sie mit den Flügeln. Flussuferläufer sitzen gern auf erhöhten offenen Punkten über dem Wasser, sogar auf Schilfhalmen und Schiffsmasten.

Lebensraum
Verbreitet in einem etwa 3000 km breiten Streifen durch das gemäßigte Eurasien und Nordamerika. Die nordamerikanischen Vögel werden allerdings von manchen Zoologen nicht als Rasse, sondern als eigene Art angesehen. Im Winter- und Jugendkleid sind sie mit dem Feldstecher nicht von den europäischen Vögeln zu unterscheiden. In West- und Mitteleuropa ist der Bestand sehr stark zusammengeschrumpft - vielfach durch Flussverbauungen - und kann heute nur noch im Alpenraum als gesichert betrachtet werden.
Der Flussuferläufer brütet vorzugsweise auf sich begrünenden Sand- oder Kiesinseln, in Schluchten, aber auch an anderen dicht bewachsenen Ufern. Ein Paar besetzt einen Flussabschnitt von etwa 1 km Länge. Flussuferläufer sind Fernzieher, die vereinzelt in Westeuropa und im Mittelmeerraum überwintern, weit zahlreicher aber in den Tropen und auf der Südhalbkugel. Diese wahren Weltbürger kann man überall antreffen, wo die Sonne hoch am Himmel steht. Die Reise von Mitteleuropa bis in die Nähe des Äquators legen die Flussuferläufer in wenigen Tagen zurück. Auf dem Zug tauchen sie an verschiednen Gewässern auf, auch auf den Schlickbänken, wo große Limikolenscharen rasten. Hier laufen sie meist einzelgängerisch an der Grenze zwischen Schlickufer und beginnender Vegetation entlang.


Am Meeresstrand treten die Flussuferläufer wenig in Erscheinung. So ungesellig die Vögel bei der Nahrungssuche sind, so können sie sich außerhalb der Brutzeit doch zu Schlafgesellschaften und Reisegruppen zusammentun. Sie sind Nachtwanderer, die nach Sonnenuntergang viel rufen und flattern und dann plötzlich in den Abendhimmel steigen. Der Herbstzug der Altvögel erreicht in Mitteleuropa schon Ende Juli seinen Höhepunkt, wenige Wochen später folgen die Jungvögel, und Ende September klingt der Durchzug aus.
Auf Runde ist der Flussuferläufer ein Bewohner des mit Seen durchsetzten Hochplateaus.

Fortpflanzung
Mitte April beginnen die Balzflüge auf Zickzackbahnen und mit schwimmenden Flügelschlägen über dem Wasser. Dazu trägt das Männchen einen Trillergesang vor und scharrt symbolisch Nestmulden aus. Das Nest liegt meist unerreichbar für Hochwasser rund ein Dutzend Meter vom Wasser entfernt. Es ist stets sehr gut versteckt, und die Vögel schleichen nur dann zum Nest, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Die 4 Eier von 36 mm Länge wiegen zusammen etwa so viel wie das Weibchen und werden innerhalb einer Woche gelegt. Beide Eltern brüten, Brutzeit Mai und Juni, Brutdauer 21 bis 22 Tage. Aufgescheucht, stehlen sich die Vögel meist unbemerkt vom Nest, manche fliegen aber auch vor den Füßen der Eindringlinge auf. Der nichtbrütende Partner steht meist nicht weit vom Nest.

Nahrung
Zarte Insekten, vom Boden aufgepickt oder aus der Luft gefangen, daneben Spinnen und Kleinkrebse.

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