Kommune Sør-Varanger: Sehenswertes - Städte / Orte
 

  • Bugøynes   PLZ: 9935   **

    Anfahrt: E 6 ( Abstecher Fv 355: 20 km )

    Bugøynes - von den Finnen auch Pykeijä genannt, ist der einzige Fischerort der Kommune Sør-Varanger. Er liegt auf der Halbinsel Buoddggáidnjárga, die sich auf der Südseite des Varangerfjorden in denselbigen erstreckt. Gegenüber am Nordufer des Fjordes liegt die Stadt Vadsø.

    Bugøynes wurde von finnischen Einwanderern, den sogenannten Kvenen gegründet. Der Fischerort Bugøynes Aufgrund politischer Umwälzungen und vieler Missernten flohen im Laufe des 18. Jahrhunderts eine große Anzahl der ländlichen Bevölkerung Finnisch-Lapplands in den Norden zum Jämeri, dem arktischen Meer. Einige machten sich an der Südküste des immer eisfreien Varangerfjorden sesshaft und gründeten den Ort Pykeijä, das heutige Bugøynes. Hier bot das Meer Nahrung im Überfluss. In dieser auf den ersten Blick unfruchtbaren Landschaft stand das Gras im saftigen Grün, gedüngt durch Millionen von Seevögeln und den Seetang. Hier fanden die "neuen" Norweger optimale Bedingungen zum Überleben. Sie brachen mit ihrem bäuerlichen Wissen und lernten bald, dass auf die Früchte des Meeres mehr Verlass war, als auf die Früchte des Bodens.

    Noch heute sprechen viele der Bewohner zwei Sprachen: die alte finnische und die norwegische. Einige der älteren Häuser sind noch von der finnischen Architektur inspiriert. Auch die Familiennamen der Bewohner, wie Laurila, Marjavarra und Ingelæ, können ihren finnischen Ursprung nicht verleugnen.

    Die "Neuen" brachten auch ihre Religion mit, die von einer ernsten Frömmigkeit und Bescheidenheit getragen wurde. All dies formte das äußere Bild des Ortes. Es gibt kaum einen gesellschaftlichen Unterschied zwischen den Menschen in Bugøynes. Die Häuser des Ortes zeigen diese Verständigkeit: sie sind alle niedrig gebaut, geschüttelt von den jährlich wiederkehrenden Winterstürmen, die alles schinden, was hoch gebaut ist. Die Holzkirche, die nördlich des Friedhofs liegt, ist neueren Datums und wurde von den Architekten Lien / Risan im Jahre 1989 erbaut. Bislang hat sie allen Stürmen getrotzt.

    Ende des 2. Weltkrieges stand das Schicksal des Ortes auf Messersschneide. Die Deutschen - im Angesicht des verlorenen Krieges - brannten die Dörfer der Finnmark nieder. Diese Taktik der "verbrannten Erde" hatten sie von der Roten Armee übernommen. Leutnant Flack, der Kommandeur der Nazitruppen in Bugøynes, vereinbarte einen Deal mit der örtlichen Bevölkerung. Sie sollten seine Truppen über den Varangerfjord vor den Russen in Sicherheit bringen und im Austausch dafür würde der Ort vor der Zerstörung bewahrt. So ist Bugøynes einer der wenigen Orte in der Finnmark, die den Krieg unbehelligt überstanden und ihren pittoresken Charakter erhalten konnten. Als der ehemalige Leutnant nach dem Krieg den Ort Bugøynes besuchte, wurde er von den Bewohnern herzlich empfangen. West-Blick über das Hafenbecken

    Doch auch die Fischer von Bugøynes bezahlten in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts den Preis für die leergefischte Baringssee und den Varangerfjorden. Die heimische Fischindustrie ging bankrott. Auch als sich die Industrie wieder erholte, wollte keiner im Fischerort Bugøynes investieren. Dagegen protestierte der Ort mit einem Schreiben an norwegische Zeitungen mit der Überschrift: "Will uns noch irgendeiner?". Sie drohten mit einer kollektiven Aufgabe des Ortes. Dies wurde zu einem nationalen Zeichen, das die Gemeinde rettete. Natürlich überlebte Bugøynes und es war für eine lange Zeit der einzige Ort in der östlichen Finnmark mit einer Fischzuchtanlage.

    Als die russische Königskrabbe - auch Kamtschatka-Krabbe genannt - in den Varangerfjorden einfiel, sich dort stark vermehrte und drohte, das natürliche Gleichgewicht der heimischen Meeresfauna zu kippen, waren es die Bewohner von Bugøynes, die sich diesem Schicksalsschlag stellten. Sie beschlossen, die Tiere zu fangen und zu vermarkten. So steht in Bugøynes der einzige Laden, wo die Kamtschatka-Krabben verkauft werden.
    Es ist kein Wunder, warum von einigen Menschen der Ort liebevoll "Klein Finnland" genannt wird.

    Nahe des Ortes können Reste einer deutschen Küstenbatterie besichtigt werden. Ein zweistündiger Fußmarsch führt in südlicher Richtung zum Ranvik-Vogelfelsen.

    Die Gesellschaft Bugøynes Oppleselver AS widmet sich dem Fremdenverkehr vor Ort. Ab Gruppen von 2 bis 40 Personen organisiert sie maßgeschneiderte Erlebnisse in der Natur rund um den Fischerort. Dazu zählt auch die Besichtigung eines Verarbeitungsbetriebes der Königskrabbe inklusive dem Probieren des köstlichen Fleisches. Zur Übernachtung am Ort stehen alte Häuser aus der Vorkriegszeit sowie Uferhütten und Zimmer zur Verfügung. Auch die Vermietung von Booten und die Vermittlung von Meeresangelfahrten wird von diesem Unternehmen organisiert.
    Tel.: 0047- 78 99 03 75, Fax: 0047- 78 99 02 27,
    E-Mail: , URL: www.bugoynes.no/

    Wer den Ort besuchen will, muss in der Kommune Nesseby auf den 20 Kilometer langen Fylkesvei, der entlang der Küste durch eine teilweise karge, hügelige Felslandschaft führt, abzweigen.

 

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